One man show: Die absolute Hauptdarstellerin ist die Fliese | von Elena Pasoli

Andreas Eggert - Croonen Fliesenhandel

Die an vier Standorten in Norddeutschland – Hamburg, Kiel, Rostock und Schwerin – ansässige Vertriebsgesellschaft Croonen Fliesenhandel GmbH ist eine bedeutende Realität mit einer fast hundertjährigen Geschichte, die sich ganz der Welt der Fliesen verschrieben hat.
Wir trafen den Geschäftsführer Andreas Eggert, dessen Leben der Fliesenbranche gewidmet ist, eine persönliche Geschichte, die mit der des Unternehmens verwoben ist.

 

Andreas, erzählen Sie uns zunächst einmal Ihre Geschichte.

Ich bin ’59 in Reinbek bei Hamburg geboren und habe nach der Schule ’76 zunächst eine Lehre in einem Baustoffhandel in Hamburg gemacht. Nach meinem Wehrdienst bin ich im Lehrbetrieb in den Außendienst gegangen und entdeckte sehr bald meine „Leidenschaft“ für Keramikfliesen. 1984 startete meine Karriere bei Croonen als Außendienstmitarbeiter. Nach einem erfolgreichen betriebswirtschaftlichen Abendstudium wurde ich mit der Leitung des Vertriebs beauftragt, später erfolgte dann die Prokura.

Im Dezember 2020 übernahm ich als Geschäftsführer (Managing Director) und trat die Nachfolge von Burkhard Aschendorf an, der die Geschicke der Firma Croonen fast 30 Jahre führte.

 

Wann wurde Croonen gegründet und wie hat sich das Unternehmen im Laufe seiner langen Geschichte entwickelt?

Alles begann im Jahr 1933, die Gründer des Unternehmens waren Erich Croonen und Otto Losse. In den 1970er Jahren vererbte Erich Croonen seine Anteile an Otto Losse, der das Unternehmen bis Anfang der 1990er Jahre führte. Danach übernahm es sein Neffe Kay Silber, dem das Unternehmen noch immer gehört.

Heute arbeiten über achtzig Mitarbeiter an vier Standorten in Norddeutschland für Croonen und geben die Erfahrung und das Wissen aus mehr als achtzig Jahren im Fliesengeschäft täglich an die Kunden weiter. Im Laufe der Zeit hat sich die Produktpalette, die ursprünglich fast ausschließlich aus Deutschland stammte, stark verändert und umfasst heute Hersteller aus der ganzen Welt, hauptsächlich aus Italien, Spanien, Osteuropa und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

 

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Welche Produkte verkaufen Sie und wie ist Ihr Unternehmen strukturiert?

Unsere Tätigkeit konzentriert sich ausschließlich auf keramische Fliesen und alle Materialien und Verarbeitungstechnologien. Dank unserer vier Filialen sind wir die Anlaufstelle für alle Verbraucher, die sich für Fliesen interessieren. Ich würde sagen, dass wir gerade für den Raum Hamburg und ganz Norddeutschland die absolut führenden Spezialisten sind: Wir lassen uns vom Wissen und noch mehr von der Leidenschaft leiten, unsere Kunden bei ihrer Suche nach der perfekten Fliese für ihr Bau- oder Renovierungsprojekt zu unterstützen. Wir setzen auf ein attraktives Ausstellungskonzept, ein breites Produktangebot, ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis, qualifizierte Beratung, vorbildlichen Service und modernste Logistik. Wir möchten das Gefühl haben, dass wir sowohl mit unseren Kunden als auch mit unseren Lieferanten in einer engen Partnerschaft stehen. Und das ist noch nicht alles.

Unsere Idee der fairen und freundschaftlichen Zusammenarbeit spiegelt sich auch in unserer Unternehmenskultur wider: Wir fühlen eine große soziale Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern, sorgen für die wirtschaftliche Gleichbehandlung von Männern und Frauen und schaffen durch maximale Flexibilität optimale Arbeitsbedingungen für jeden Mitarbeiter: Wir bilden selbst aus und fördern gezielt Karrieren innerhalb unseres Unternehmens. Dieses Engagement sorgt für ein Vertrauensverhältnis zwischen allen Kollegen*innen, von denen uns viele schon seit Jahrzehnten die Treue halten.

 

Was sind die Merkmale Ihrer Verkaufsstellen?

Alle unsere Standorte verfügen über große, hochwertige Ausstellungsräume sowie über professionelle Bereiche für Fliesenleger und Handwerker: Unsere Kundendienstabteilung ist sowohl für den Einzelhandel als auch für die Beziehungen zu den Fliesenlegern zuständig. Die Größe der Ausstellungsräume reicht von 900 Quadratmetern in Hamburg bis 500 Quadratmetern in Schwerin, alle Filialen verfügen über ein eigenes Lager und werden täglich logistisch versorgt. Ein besonderer Service, den wir für Architekten, Planer und Unternehmen geschaffen haben, ist unsere „Design-Werkstatt“ in Hamburg: Das Konzept verbindet eine speziell für Architekten entwickelte Präsentation mit der Unterstützung digitaler Medien und der Möglichkeit der sofortigen Bemusterung.

 

Welche Rolle spielen italienische Fliesen in Ihrem Gesamtgeschäft und welche Marken vermarkten Sie?

Auf Italien entfallen über 20% unseres Umsatzes, mit den besten Durchschnittspreisen und Bruttogewinnen.

 

Was gefällt Ihnen an Fliesen aus Italien?

Italienische Industriepartner sind für uns die innovativsten und zukunftsweisendsten Hersteller. Wir arbeiten gerne mit den führenden Gruppen zusammen und pflegen bewusst Geschäftsbeziehungen mit dem Ziel des langfristigen Erfolgs.

 

Wie hoch ist der weltweite Umsatz von Croonen?

Rund 24 Millionen Euro.

 

Wie geht es der Bauwirtschaft in Deutschland derzeit?

Insgesamt ist die Bautätigkeit in guter Verfassung. Die Nachfrage ist im Allgemeinen stabil und wird die Bautätigkeit in den nächsten Jahren unterstützen.

 

Und wie sieht es konkret mit den Fliesen aus?

Leider gibt es eine Reihe von Problemen, die ein wirkliches Wachstum des Sektors verhindern: problematische Lieferketten mit den damit verbundenen Preissteigerungen und Versorgungsproblemen, aber auch ein gravierender Mangel an Fliesenlegern. Die Kombination dieser Faktoren erhöht das Risiko, dass Fliesen zu einem Luxusprodukt werden. Schließlich ist die Fliese ein Halbfertigprodukt, das erst durch den Einsatz eines Fliesenlegers zum Endprodukt wird: Bei einer allgemeinen Betrachtung zeigt sich, dass die Fliesenindustrie in jeder Phase, von der Entwicklung über die Produktion bis hin zur Vermarktung, noch sehr atomistisch organisiert ist. Eine größere Arbeitsteilung und auch Vertrauen in den Handel wären von Vorteil. Die einzelnen Ketten in der Wertschöpfung der Fliese (Industrie und Handel) tun manchmal das Gleiche und dadurch wird das Material grundsätzlich teurer: Auch bei der Vermarktung fehlt es an Standards. So führen z.B. Preis- und Verpackungs-/Inhaltsänderungen, fehlende Stammdaten usw. zu zusätzlichen, komplexen Verarbeitungsschritten im Handel.

 

Was sollte Ihrer Meinung nach getan werden, um aus dieser Situation herauszukommen?

Es sind gemeinsame Anstrengungen erforderlich, um diese Probleme auf einfache und vor allem kundenorientierte Weise zu lösen. Im Grunde vermisse ich bei der Industrie das Denken bis zum Verkäufer, der am Ende der Kette dem Kunden im Ausstellungsraum die Fliesen empfehlen soll. Natürlich müssen auch die digitalen Medien weiterentwickelt und die gemeinsame Anstrengungen gebündelt werden, um die Fliese in den Köpfen der Kunden zu „positionieren“. Wie gebündeltes Marketing aussieht, sehen wir an Wettbewerbsprodukten. Diese drängen mittlerweile in klassische Nutzungsbereiche der Fliese wie z.B. das Bad.

Dafür kann aber die keramische Fliese, insbesondere die Entwicklungen in den dünnen Großformaten oder Outdoorfliesen, in viele Bereiche vordringen und Lösungen bieten. Ich denke da auch an Themen wie die Fassade, für die die Fliese prädestiniert ist.

 

Italienische Marken, die vom Unternehmen vertrieben werden: Atlas Concorde, Cerdomus, Florim, Marazzi, Rondine, Sicis.

 

Februar 2022

 

 


www.croonen.de